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Zur gleichen Zeit, zu der sich die Reichsabtei Lorsch dem Zugriff Adalberts  von Bremen erwehren musste, lebte im nur zwei Stunden entfernten Worms einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten des Mittelalters, ein Mann namens Raschi. Eine Generation nach Raschi, 1096,begann der erste Kreuzzug und die Gemeinden am Rhein wurden ausgelöscht. Heinrich IV. erneuerte zwar 1103 seine Schutzzusage, es dauerte aber fünfzig Jahre, bis sich die Siedlungen in Speyer, Worms und Mainz erholt hatten und das Bündnis der SchuM Städte begründeten.

 

Vor diesem Hintergrund entwarf der Schreiber den Charakter des „Juden, das Jüdische gebrauchend.“ Scheinbar konsensual bediente er die Vorurteile der Leserschaft seiner Zeit. Es zeigt den vollzogenen Paradigmenwechsel, die Abkehr vom antijudaistischen Diskurs der Kirchenväter, hin zur antijüdischen Herabwürdigung des Individuums aufgrund einer in diesem Fall nur behaupteten ethnoreligiösen Gruppenzugehörigkeit.

 

Literatur: Thilo Figaj, Judeus Iudaica Utens. Eine Antijüdische Allegorie des Hochmittelalters im Lorscher Codex. Zweck und Wirkung.

Geschichtsblätter Kreis Bergstraße, Band Nr. 53 (2020).