Kräutergarten Frank Jäger

Kräutergarten

DER KRÄUTERGARTEN ZUM ‘LORSCHER ARZNEIBUCH’

Im ehemaligen Kloster Lorsch besteht hinter der Zehntscheune ein großer Kräutergarten zum ‚Lorscher Arzneibuch‘. Er ist barrierefrei zu erreichen, am bequemsten von der Königshalle aus entlang der Zehntscheune. Da die Klosterdüne hinter der Zehntscheune steil zur Klostermauer ansteigt, wurde der Kräutergarten mit Hilfe von Trockenmauern terrassenförmig angelegt.  Flache Rampen verbinden die Terrassen. Auf jeder Terrasse gibt es eine Ausweichstelle für den Fall, dass sich mehrere Rollstühle oder Besuchergruppen begegnen.

Planung: Landschaftsplanungsbüro Topotek 1, Berlin

Ehrenamtliche Betreuung:
Eine beim Heimat- und Kulturverein Lorsch gebildete Arbeitsgruppe Kräutergarten. Wir sind eine engagierte und sehr nette Gruppe und würden uns über Zuwachs freuen.
Kraeutergarten FJ
Pfingstrose Platte

Wir führen auch durch den Kräutergarten 

Dauer: 1,5 Stunden
Preis bis 10 Personen: 55,00€
Preis ab 11 Personen: 5,50€ pro Person
 
Kontakt:
Tourist-Information NibelungenLand, Lorsch
Tel.: 06251-175260

Kräutergarten AG

 

Ansprechpartnerin: Bettina Walter

Tel. 06251 / 9891849
E-Mail: b.walter@kulturverein-lorsch.de

THEMA DES GARTENS IST DAS ‚LORSCHER ARZNEIBUCH‘

 

 

Es wurde um die Jahre 795 /800 im Scriptorium des Klosters Lorsch niedergeschrieben und gilt heute als das älteste erhaltene medizinisch-pharmazeutische Kompendium, das nördlich der Alpen entstanden ist. Die  Handschrift überliefert vor allem antikes medizinisches Wissen. Sie belegt in einer neunseitigen „Verteidigung  der Heilkunde“ die Vereinbarkeit des antiken Wissens mit dem christlichen Glauben. Dies war ganz im Sinne des Bildungsprogramms Karls des Großen. Den Klöstern wurde es zur Pflicht gemacht, nicht nur die Klosterinsassen medizinisch zu versorgen, sondern auch die Bevölkerung in ihrem Umfeld sowie die Pilger. Der Mönchsarzt sollte eifrig die antiken Autoren studieren und große Sorgfalt bei der Herstellung der Medikamente walten lassen. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde die Heilkunde sogar als Unterrichtsfach für die Klosterschulen eingeführt.
Die Handschrift gehörte einst Kaiser Otto III. Sein Nachfolger Kaiser Heinrich II hat sie geerbt und dann um das Jahr 1007 dem Domstift Bamberg geschenkt. Seit der Säkularisation wird die Handschrift in der Bayrischen Staatsbibliothek Bamberg  unter der Signatur Codex Msc.Med.1 gehütet. Inzwischen wird auch die populärere Bezeichnung ‚Lorscher Arzneibuch‘ verwendet.
Große Freude entstand, als im Jahr 2013 die Handschrift in die UNESCO  Liste ‚Memory of the World‘ aufgenommen wurde.  Die digitale Version des ,Lorscher Arzneibuchs`finden Sie in der Bibliotheca Laureshamensis – digital: Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch.
 

Die Pflanzen des ‚Lorscher Arzneibuchs‘ im Kräutergarten

Rund 500 Rezepte enthält das ‚Lorscher Arzneibuch‘. Sie enthalten pflanzliche, mineralische und tierische Bestandteile. Den größten Teil der Heilmittel stellt aber das Pflanzenreich.
Ein Teil der Heilpflanzen wurde gewiss in einem Kräutergarten innerhalb der Klostermauern herangezogen. Wo dieser Kräutergarten lag, weiß man bis heute nicht. Auch weiß man bisher nicht, wie viele der im Arzneibuch genannten Pflanzen wirklich verwendet wurden. Unzweifelhaft aber zeigt die Handschrift eine Geschichte der Aneignung des antiken medizinischen Wissens. Wir dürfen also annehmen, dass die Mönche sich um die Beschaffung fehlender Pflanzen bemüht haben. Allerdings ist in einem Gedicht des Isidor von Sevilla empfohlen, auf zu teure exotische Pflanzen und Spezereien zu verzichten.
Wir wollen den Besuchern unseres Gartens einen möglichst umfassenden Überblick über den Pflanzenschatz des ‚Lorscher Arzneibuchs‘ bieten. Deshalb sind im Kräutergarten auch solche Pflanzen zu sehen, die in der freien Natur gesammelt werden konnten. So kann der Besucher fast 200 verschiedene Pflanzen im Verlauf des Jahres kennen lernen: Pflanzen, die hier schon urwüchsig waren, andere Pflanzen, die durch die Römer eingeführt wurden und Pflanzen, die erst von Mönchen über die Alpen in die Klöster mitgebracht wurden. Pflanzen, die nur nahe an einem Gewässer gedeihen, sollen später an der Kulturachse gepflanzt werden, nahe dem Steg über einen feuchten Graben.
Die Arbeitsgruppe Kräutergarten hat eine ausführliche, bebilderte Broschüre zum Kräutergarten erarbeitet.
 
 
Wie kam es zu dem Kräutergarten zum ‚Lorscher Arzneibuch‘ ?
Seit einigen Jahrzehnten war es Anliegen des Heimat- und Kulturvereins Lorsch, im Gelände des ehemaligen Klosters Lorsch einen Garten anzulegen. Die Besucher des Klostergeländes sollten erleben können, dass die Mönche Gartenbau und Heilkunde pflegten.
Zunächst entstand 1982 ein kleiner Garten nach dem im 9.Jahrhundert entstandenen Gedicht des Mönches Walahfrid Strabo über 24 Pflanzen seines Gärtchens. Dieser kleine Garten fand viel Anklang bei Jung und Alt. Das verlockte, noch mehr über Pflanzen im ehemaligen Kloster Lorsch herauszufinden, was von überraschendem Erfolg gekrönt war.
Erst in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat der berühmte Paläograph Prof. Bernhard Bischoff erkannt, dass die frühmittelalterliche medizinische Handschrift, Codex Msc.Med.1 der Staatsbibliothek Bamberg, im Scriptorium des Klosters Lorsch niedergeschrieben wurde. Nach Erwerb eines Mikrofilms wurde klar, dass es lohnend wäre, diese wichtige Handschrift ins Deutsche übersetzen zu lassen, um sie auch den Bürgern ohne Lateinkenntnisse zugänglich zu machen. Ihnen könnte so eine neue Seite der Klostergeschichte erschlossen werden.
Der Heimat- und Kulturverein Lorsch erreichte dann, dass die Stadt Lorsch zusammen mit der Firma Boehringer Ingelheim eine Stelle für einen jungen Wissenschaftler an der Universität Würzburg finanziert hat. Im Zuge der Übersetzung konnten viele Pflanzen identifiziert und Fachbegriffe geklärt werden. 1992 erschien von Ulrich Stoll: Das‘ Lorscher Arzneibuch‘: ein medizinisches Kompendium des 8. Jahrhunderts (Codex Bambergensis medcinalis 1); Text, Übersetzung und Fachglossar / Franz Steiner Verlag Stuttgart.
Dieses Werk bildete die Grundlage für die Schaffung des Kräutergartens zum ‚Lorscher Arzneibuch‘ im Bereich des Mönchsfriedhofs nordöstlich des Kirchenfragments. Die Planung auf Hochbeeten aus alten hellen Sandsteinen stammt von den Garten- und Landschaftsarchitekten Prof. Urs Walser und Michael Palm, Weinheim. Die Realisierung gelang nur durch viele Spenden von Bürgern, Stiftungen  und Firmen, die Gewinnung von freiwilligen Helfern für die Pflege des Gartens sowie die Hilfe der Stadt Lorsch und der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. Im Jahr 2000 wurde der Garten feierlich eröffnet und wird von der Bevölkerung und den Besuchern sehr geschätzt.
2013 wurde der Garten wegen einer grundsätzlichen Umgestaltung des Klostergeländes hinter die Zehntscheune an den Fuß der Klosterdüne verlegt. Dieser Teil wird auch Spittelsberg genannt, weil sich hinter der Klostermauer ein Hospital befand. Die neue Gestaltung des Kräutergartens ist am Beginn des Beitrags beschrieben. Die Kosten der Verlegung hat das Land Hessen übernommen.