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Martin Buber – Brief aus Jerusalem

Übersetzung

„Jerusalem, D[e]ir Abu Tor, 5. März 1944 |
Sehr geehrter Herr Dr. Strauss,
bitte teilen Sie mir mit, ob Sie noch ein Exemplar von „Muckensturm“ in Ihrem Besitz haben, und wenn ja, senden Sie es bitte an unseren Literaturagenten Herrn Franz J. Horch, 141 West 23rd Street, New York City. Ich weiß nicht, ob Bermann Fischer das von mir erhaltene Exemplar rechtzeitig an Ihre Adresse zurückgeschickt hat. Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie freundlicherweise den Sachverhalt klären und mich per Luftpost darüber informieren würden.
Mit freundlichen Grüßen,
Herzlichst,
Ihr Martin Buber.“

Die Adresse Bubers ist im arabischen Ostteil Jerusalems, wo er von 1943 bis 1947 wohnte. Das Haus musste er während des israelischen Unabhängigkeitskrieges aufgeben. Seine Bücherei mit 15.000 Bänden, deren wichtigste Bestände er vor den Nazis aus seinem Heppenheimer Haus 1938 nach Palästina hatte retten können, war ein zweites Mal in Gefahr, und drohte in die Hände irakischer Truppen zu fallen. Sein arabischer Nachbar konnte die Bücher retten und ließ sie vor der Teilung Jerusalems an Bubers neue Adresse im westlichen Stadtteil Talbiya bringen.     

Martin Buber musste wegen der Zensur der britischen Mandatsbehörde diesen Brief auf Englisch schreiben. Er ist adressiert an Max Strauss in New York, einen Bruder von Ludwig Strauss, Bubers Schwiegersohn.

Offenbar hatte Max Strauss einige Exemplare des Romanentwurfs „Muckensturm“, den Bubers Frau Paula 1940 unter ihrem Pseudonym Georg Munk in Jerusalem fertiggestellt hatte, erhalten, um einen amerikanischen Exilverlag für die Veröffentlichung zu gewinnen.

Schon 1941 hatte Buber Thomas Mann darum gebeten, einen amerikanischen Verlag zu finden. Mann, durchaus beeindruckt vom Inhalt, bedauerte, dass es höchst unwahrscheinlich sei, einen amerikanischen Verleger für ein derartig umfangreiches Werk zu finden. Die Bubers, im Exil von sämtlichen Tantiemen abgeschnitten, suchten weiter.

Der im Brief genannte Bermann Fischer, eigentlich Gottfried Bermann, war der ins amerikanische Exil geflüchtete Geschäftsführer des S. Fischer Verlags, der die Tochter des 1934 verstorbenen Gründers Samuel Fischer geheiratet hatte. Seit 1938 publizierte der S. Fischer Verlag in Schweden. Bermann und seine Frau Brigitte waren jedoch selbst nach New York ausgewichen. Buber ließ ihm eines der Typoskripte von „Muckensturm“ zukommen.

Der S. Fischer Verlag war offenbar an der Veröffentlichung auch nicht interessiert, und Buber musste nun von Jerusalem aus versuchen, wie er die wenigen Typoskripte des Romans, die er nach New York geschickt hatte, neu verteilte. Nun sollte sein Literaturagent Franz Horch, gebürtiger Wiener wie Buber, und ebenfalls Exilant in New York, durch Max Strauss eines der raren Exemplare erhalten. Zu Horchs Klienten zählten damals u.a. Franz Werfel, sowie Heinrich und Klaus Mann.

Es sollten allerdings noch fast zehn Jahre vergehen, bis der Roman erscheinen konnte. Lambert Schneider in Heidelberg, der nach dem Krieg die meisten deutschen Werke von Buber verlegte, und der 1950 das Tagebuch der Anne Frank erstveröffentlicht hatte, wagte 1953 die erste und bis 2008 einzige Edition von „Muckensturm“. Ein großer kommerzieller Erfolg wurde das Buch nicht.

Im Roman wird die Geschichte einer kleinen süddeutschen Stadt erzählt, deren Bewohner sich in kleingeistigen Intrigen, Machtspielen und moralischer Verblendung verstricken. Mit feinem Humor und scharfer Gesellschaftskritik zeichnet Paula Buber ein satirisches Bild des provinziellen Lebens und menschlicher Schwächen im Jahr der Machtergreifung 1933. Muckensturm am Höhenweg wurde in der lokalen Rezeption mit Heppenheim an der Bergstraße gleichgesetzt. Dort hatten die Bubers von 1916 bis zur Flucht nach Palästina 1938 gewohnt. Weder Paula noch Martin Buber wollten eine derartige Gleichsetzung bestätigen. Es hätte, so sagten sie immer, jeder beliebige Ort in Deutschland sein können.

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Mesusa aus Fes

Mesusa aus Fes / Marokko, um 1900

Mesusa aus versilbertem Kupferblech in dergleichen Technik, in der in Marokko typischerweise Lampenschirme gefertigt werden. Aufgelötet ist ein Davidstern und in Messingbuchstaben das Wort

שדי (Shaddai / Gott).

Die gezeigte Mesusa enthält eine koschere Pergamentrolle, handgeschrieben von einem rabbinisch zertifizierten Unternehmen, und ist somit kein Schauobjekt.

Eine Mesusa ist eine Schriftkapsel am Türpfosten am Eingang rechts in ein Haus und alle weiteren Wohnräume. Sie enthält ein gerolltes Pergamentstück mit Abschnitten aus dem mosaischen Gesetz, der Tora, und zwar aus dem Deuteronomium (entsprechend Fünftes Buch Mose), und zwar Dtn. 6,4–9 und 11,13–21.

Auf der Vorderseite des Pergamentpapiers steht das „Sch´ma Israel“ (mit einer Weisung zum Anbringen einer Mesusa: Dtn. 6,9), und auf der Rückseite aus den Verheißungen zu Bundestreue und Ernte, (und dort wiederholt die Weisung zum Anbringen der Mesusa: Dtn. 11,20)

Die Passagen aus der Tora enthalten insgesamt 713 hebräische Buchstaben. Damit eine Mesusa koscher ist und das Gebot der Mesusa erfüllt, darf kein Buchstabe fehlen, verwischt oder überzählig sein, denn das Schriftstück der Mesusa wird nach den gleichen Regeln wie zur Erstellung einer Torarolle beschrieben.

Mehr: Sammlung Judaica             Objekt 276

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Hochzeitsring und Torazeiger

Besamim Turm, Havdala

Zweiteiliger Havdalah- oder Besamimbehälter aus Silber in der traditionellen Form eines Turmes. Im Stil jemenitischen Kunsthandwerks.

Am Sabbatausgang, bei der so genannten Havdala (Trennung, Unterscheidung), ist es u.a. Brauch, an einem Behälter zu riechen. In ihm befinden sich wohlriechende Gewürze. Somit wird der Geruch des Festtages in den Alltag hinübergenommen. Die Art der Gewürze ist nicht festgelegt, oft verwendet werden Myrtenblätter, Zimt, Orangenschalen, Gewürznelken, etc.

Havdalah Türme dieser Art finden sich oft in der Genre Malerei von Moritz Daniel Oppenheim, ganz besonders natürlich in der Szene „Sabbatausgang“, Objekt Nr. 58

Mehr: Sammlung Judaica             Objekt 68 und 58 (Havdala-Szene bei Moritz Daniel Oppenheim)

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Kiddusch Becher Jerusalem 1920 und Kerzenhalter Israel 1950

Kiddusch Becher, Silber, Jerusalem 1920

Lustig Gehring (LG) war ein bekannter Silberschmied im Jerusalem der 1920er Jahre, damals noch Palästina. Von ihm sind einige hübsche Unikate im Art Deco Design erhalten, z.B. Puderdosen und Zigarettenetuis mit Motiven aus Jerusalem oder Bethlehem, aber auch zeremoniale Silberbecher und Leuchter. Die Alltagsgegenstände mögen bereits vor über 100 Jahren als Souvenirs verkauft wurden sein.

Ein heute in Israel erworbener Kiddusch Becher aus Gehrings Werkstatt ist über alle Zweifel an seiner Provenienz erhaben, anders als z.B. Gegenstände aus dem ehemaligen Besitz deutscher Juden. Das Objekt hat das Heilige Land bis zum Erwerb für diese Sammlung niemals verlassen. Die freihändige und fehlerfreie Gravur des innen vergoldeten Bechers (Silber 833/1000) mit einem Davidstern in doppelter, verschlungener Zickzacklinie ist wesentlich aufwendiger als z.B. eine Widmung. Sie macht den besonderen Wert dieses Objektes aus.

Mehr: Sammlung Judaica             Objekt 212

Zwei Sabbat Silberleuchter, Israel 1950

Die kleinen Leuchter weisen sehr frühe israelische Punzen auf, sie sind also kurz nach der Staatsgründung gefertigt worden. Das Design mit den gedrehten Schnüren aus Silberdraht ist typisch jemenitisch, das Material Sterling Silber 935/1000.

Mehr: Sammlung Judaica             Objekte 208

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Hochzeitsring und Torazeiger

Jüdischer Hochzeitsring, Russland (Zarenreich), 2. Hälfte 19. Jh.

Ein 6 cm großer, 40g schwerer Ring aus 875er Silber. Das Gebäude mit romanischen Doppeltorbögen symbolisiert den untergegangenen salomonischen Tempel und damit das ewige Versprechen der Juden, eines Tages aus der Diaspora nach Jerusalem zurückzukehren.

Jüdische Hochzeitsringe sind – durch ganz wenige Exemplare – seit dem Mittelalter überliefert. Der bekannteste und schönste Ring stammt aus dem Erfurter Goldschatz. Er wurde erst 1998 gefunden und wird ins frühe 14. Jh. datiert. Ursprünglich stellten solche Ringe einen Teil des Brautpreises dar. Sie waren oft aus Gold, was jedoch entgegen weit verbreiteter Meinung keinesfalls so sein musste. Die rabbinischen Vorschriften verlangten lediglich die Reinheit des Materials, egal ob der Ring aus Gold, Silber oder gar Kupfer gefertigt war. Deswegen gab es auch keinen Edelsteinbesatz auf diesen Ringen.

Durch die Größe des Ringes war der Hochzeitsgesellschaft klar erkennbar, dass der Brautpreis bezahlt worden, und mit dem Akt des Überstreifens auf den Zeigefinger der rechten Hand der Braut die Hochzeit vollzogen war. Damit man es auch hören konnte, klimperten im Inneren des kleinen Tempels, der – im Falle des gezeigten Stückes – über das Dach geöffnet wurde, noch ein oder mehrere Silberstückchen.

Jüdische Hochzeitsringe wurden nur am Hochzeitstag getragen. Danach kam der Ring in ein Depot zum übrigen Brautpreis, der der Frau im Falle einer Scheidung als Absicherung diente.

Ringe, genau wir andere Arbeiten aus den Silberschmieden des Zarenreiches, waren im 19. Jh. Katalogware. Dieses Modell stammt aus St. Petersburg. Auffällig ist die Formensprache im Vergleich mit z.B. dem Erfurter Ring, der ja im 19. Jh. noch lange unentdeckt unter der Erde schlummerte. Daraus schließen Experte heute eine gewisse Kontinuität im Design, über hunderte Jahre weitergegeben durch Vergleichsstücke, die wir heute nicht mehr kennen.

Drei Exemplare des russischen Ringes sind bekannt. Sie wurden allesamt in Osteuropa gefunden, und zwar in Polen (der gezeigte Ring wurde über den Antikhandel erworben), Ungarn und im ehemaligen Galizien. Die meisten solcher Ringe müssen durch Kriegseinwirkung oder Vertreibung als verloren gelten. Sie wurden wahrscheinlich, genau wie der Großteil des geraubten Silbers der deutschen Juden, im Lauf der Zeit eingeschmolzen.

Mehr: Sammlung Judaica             Objekt 218

Torazeiger (Jad), Russland (Zarenreich), 1878

Der kleine Torazeiger aus 875er Silber ist verziert mit einem eingefassten Türkis, einer aufgelöteten kleinen Menora und auf der abgeflachten Kugel als Abschluss mit der Krone der Tora. Eine Punze des Herstellers, des Beschauers und eine russische Stadtmarke sind auf der Seite erkennbar.

Torazeiger waren in Synagogen für den artikulierten Vortrag bei der Wochenlesung aus der handgeschrieben Tora Vorschrift. Zwar ist die Torarolle nicht so heilig, als dass man ihr Pergament nicht berühren dürfte, allerdings ist die Gefahr zu groß, dass man einen Buchstaben verschmiert. Dann wird die teure heilige Schrift unbrauchbar, denn eine Korrektur auch nur eines ihrer 304.805 Buchstaben ist ausgeschlossen. Deshalb ist der Gebrauch des Torazeigers Pflicht.

Für den privaten Gebrauch beim gewöhnlichen Lesen, z.B. des Talmud, vor allem auch zum Üben eines eigenen Vortrages bei einer Wochenlesung der Tora in der Synagoge, zu der man ehrenhalber aufgerufen werden kann, besitzen Juden eigene, oft handliche Torazeiger. Das vorgestellte Exemplar (17 cm, 18 g) stammt aus der Auflösung einer Privatsammlung in Südeuropa (Portugal); das Weitere zu seiner Provenienz liegt im Dunklen.

 Mehr: Sammlung Judaica            Objekt 271

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Overall, Jewish life in Germany has been able to take root again: synagogues have been rebuilt or restored in many towns, sometimes on the sites of synagogues destroyed in 1938. If the properties were overbuilt, synagogues were built elsewhere and memorial plaques were erected in their former places.

To document Jewish life as an important part of European cultural and intellectual history, for example, Jewish museums and documentation sites were built in Frankfurt am Main, Munich, Cologne, Berlin and elsewhere. In the past 70 years, institutes for the study of Judaism and Jewish life have been established in Frankfurt am Main, Potsdam, Berlin and elsewhere. In Heidelberg, the Central Council of Jews in Germany founded the private University of Jewish Studies with state recognition in 1979. In addition, Prof. Manfred Koob of Darmstadt Technical University, a native of Heppenheim, has used modern CAD simulation to create visual representations of synagogues destroyed in 1938. In the meantime, in addition to religious and cultural institutions, Jewish restaurants or stores with kosher offerings can be found in cities and communities – again, Jewish holidays are celebrated and there are Jewish sports clubs.

It seems almost natural, but it is only almost: because recently men were attacked on the open street just because they wear a kippa on their head; a right-wing extremist party representative calls the Holocaust memorial in Berlin a „stigma of German history“ and new anti-Semitism has led to the 2019 attack on the synagogue in Halle.

 


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Fig. 4: Logo of the University of Jewish Studies with state recognition in Heidelberg.
(Source: Heidelberg University of Jewish Studies)
Fig. 5: 3-D reconstruction of the main synagogue in Mannheim, built in 1885 and destroyed in 1938,
entrance facade (source: Architectura Virtualis GmbH, cooperation of the Technical
University of Darmstadt, Dr.-Ing. Marc Grellert)
Fig. 6: 3-D reconstruction of the main synagogue in Mannheim, built in 1885 and destroyed in 1938,
View from the entrance into the men’s room (Source: Architectura Virtualis GmbH, Cooperation of the Technical University of Darmstadt, Dr.-Ing. Marc Grellert)

 

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The Nazi terror had wiped out centuries of Jewish life in Germany in just 12 years between 1933 and 1945. After the surrender of the German Reich on May 8, 1945, some Jews returned from exile to help re-educate Germans and build a democratic, free state. They were active in interrogating German prisoners of war, in radio broadcasting, or in the Nuremberg war crimes trials. Other Jews returned to Germany, but mostly only temporarily until they left for the new state of Israel.

In addition to the approximately 15,000 Jews living in Germany in 1950, there were about 200,000 Jews who, as former forced laborers from Eastern Europe, were unable to return to their homeland during the emerging Cold War. Some of them stayed here or emigrated to Israel. With the collapse of the Soviet Union in 1991, many mostly Orthodox Jews from the former Soviet republics came to Germany. At the beginning of the 21st century, there are about 230,000 Jews living in 105 communities.

In the summer of 1945, a Central Committee of the liberated Jews in the American zone was formed to represent their interests. On July 19, 1950, this committee joined with other committees to form the new Central Council of Jews in Germany. This council had to deal with various topics and problems: in the founding years of the Federal Republic of Germany, questions of reparations had to be introduced into the legislative process and the criminal and historical-political reappraisal of the Nazi era had to be demanded in view of new right-wing extremist parties and renewed anti-Semitism in the 1960s/70s.


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Fig. 1: David Ben Gurion reading the Declaration of Independence of Israel on May 15, 1948 (Source: Flickr – Government Press Office (GPO) – David Ben Gurion reading the Declaration of Independence, Government Press Office (Israel), via Wikimedia Commons).
Fig. 2: New Synagogue Darmstadt (Source: Stadtarchiv Darmstadt, Photo Roland Koch)
Fig. 3: Former synagogue in Pfungstadt (Source: Former synagogue Pfungstadt, Commander-pirx, via Wikimedia Commons)

 

 

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After World War II, the Allies set up an International Military Tribunal in Nuremberg between 1945 and 1949 for a trial of the main war criminals or those mainly responsible for the Nazi regime. The German population also took note of this. They saw in newsreels how Göring, Speer, Rosenberg, Hess, Keitel and others brazenly rejected their responsibility with a „Not guilty!“.

Most of the defendants were found guilty by the court and mostly sentenced to death by hanging. Other defendants received prison sentences, including Heinz Jost, a native of Lorsch. An SS brigade leader and SD Einsatzgruppenführer, Jost was sentenced to life imprisonment in 1948 for participating in executions of Jews, but the sentence was reduced to a ten-year sentence only three years later. He was released from prison after only one year.

Thirteen years after the Nuremberg Trials, the trial of Adolf Eichmann, who had taken over the organization of the Holocaust in the East after the „Wannsee Conference“ and whom the Israeli foreign intelligence service Mossad had tracked down in Buenos Aires, took place in Jerusalem in 1961. Eichmann was sentenced to death on December 15, 1961, and executed on June 1, 1962.

After a heated discussion in the Federal Republic of Germany around 1960 about the so-called „Schlussstrichfrage,“ a trial on National Socialist perpetration was opened for the first time in a German court on December 20, 1963, with the Auschwitz trial in Frankfurt am Main, despite deliberate delays. The course of the trial was recorded in minutes, but also in tape recordings. It attracted a great deal of attention among the general public, but also among a senior class of the Old Electoral High School in Bensheim. The school class attended the trial on March 25, 1965. The impressions of the then 18-year-olds were reflected in an article in their school newspaper (Kurfürst).

The first Auschwitz trial in Frankfurt became a landmark in the prosecution of Nazi crimes in the death camps. Although this coming to terms with Nazi terror was soon accompanied by inflammatory writings by Holocaust deniers in the 1970s, crimes committed in the extermination camps of Sobibor, Treblinka, Majdanek and others could be prosecuted and punished under the rule of law. A change in society’s attitude toward responsibly coming to terms with the past and remembrance policies, as well as the decision of the German Bundestag to lift the statute of limitations for murder, have laid an essential foundation for this.

 

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Fig. 1: Main war crimes trial in Nuremberg (Source: Nuremberg Trials. Looking down on defendants dock, circa 1945-1946. – NARA – 540127, National Archivesat College Park, Public domain, via Wikimedia Commons).
Fig. 2: The trial of Adolf Eichmann in 1961 at the District Court in Jerusalem (the defendant left in glass case), (Source: Adolf Eichmann is sentenced to death at the conclusion of the Eichmann Trial USHMM 65289, Israeli GPO photographer, Public domain, via Wikimedia Commons)
Fig. 3: First Frankfurt Auschwitz trial in 1965 in the specially equipped Haus Gallus in Frankfurt am Main (Source: bpk media number: 70243319, Photographer: Abisag Tüllmann, Dated: 03.04.1964, Geographical reference: Location: Frankfurt am Main / Germany)
Fig. 4: Observations of a senior class of the Altes Kurfürstliches Gymnasium (Old Electoral High School) in Bensheim, which spent a day as audience members at the first Frankfurt Auschwitz trial on March 25, 1965; report by Joachim-Felix Leonhard for the school newspaper „Kurfürst“ in 1966.

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Before that, in 1938, the Nazi rulers had occupied Austria and Czechoslovakia and now persecuted the Jews there as well, driving many into exile or deporting them to extermination camps. With the invasion of Poland on September 1, 1939, the extermination work of the Wehrmacht and SS units expanded against many Eastern European Jewish communities that had been settled in shtetls or ghettos for centuries.

A little more than two years later, at the so-called „Wannsee Conference“ on January 20, 1942, the „Final Solution of the Jewish Question“ and thus the industrial mass killing by gassing, poisoning, shooting and burning in extermination camps in the East was decided. Until shortly before the end of the war in 1945, about 6 million Jews, about 500,000 Sinti and Roma and many other prisoners were murdered.
Few had survived when the Red Army opened the gates of the Auschwitz concentration camp on January 27, 1945, and the British Army opened the gates of the Bergen-Belsen concentration camp on April 15, 1945. They liberated starving people and gave testimony to the world public of the genocide committed in the German name.

After the surrender of the German Reich on May 8, 1945, the victorious Allied powers – the Soviet Union, the United States, Great Britain and France – quickly began the search for the war criminals. At the same time, they also took the first step toward a re-education for a postwar development of Germany oriented toward freedom and democracy. They were unable to apprehend all of the Holocaust’s henchmen and bring them all to justice: some, such as Hitler, Goebbels and Himmler, had cowardly evaded responsibility by committing suicide, others went into hiding and were only later discovered and brought to justice – and still others, such as the notorious SS camp doctor at Auschwitz concentration camp, Josef Mengele, were never caught.

 

Captions:
Fig. 6: Man with Jewish star (Source: Berlin, Man with Jewish star, Bundesarchiv, via Wikipedia Commons)
Fig. 7: Star of David (Source: Star of David, Daniel Ullrich, Threedots, via Wikipedia Commons)
Fig. 8: Prisoners in Auschwitz camp (Source: Auschwitz Liberated January 1945, Unknown, assumed to be the work of the Red Army, Public domain, via Wikimedia Commons)
Fig. 9: Imprisoned children in the Auschwitz camp (Source: Mujeres y niños en los campos de concentración nazi, AlanMe123, via Wikimedia Commons).
Fig. 10: „Materials for Jewish resettlement“ served to conceal the mass murder of Jews (Source: Order of departure for a 5-tons truck with a trailer to Dessau for materi- als for Jewish resettlement, SS, Public domain, via Wikimedia Commons).

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With the end of World War I and during the Weimar Republic, nationalist and anti-Semitic tendencies permeated society. After the failed National Socialist putsch of November 1923, Adolf Hitler, in the inflammatory pamphlet Mein Kampf, singled out the Jew as a „world enemy“ and even as a „parasite in the body of other peoples“ and called for a „struggle“ against him. Just 10 years later and less than two months after the seizure of power on January 30, 1933, the first concentration camp was set up in Dachau on March 20, 1933.

For the rapid penetration of society with Nazi ideology, the Reich Ministry for Popular Enlightenment and Propaganda under Joseph Goebbels primarily used radio to influence the masses and bring the party and state into line. On April 24, 1933, he declared over the radio that „the radio should hammer and chisel people until they become slaves to us.“

Earlier, in Darmstadt, as the first city in the German Reich, Jewish stores were closed for 24 hours on March 28, 1933, justifying this with alleged hate propaganda by foreign Jews. In university towns, books by Jewish and other authors were thrown into the fire and their works entered in a „directory of undesirable and harmful literature.“ Civil servants were dismissed from the civil service and artists were excluded from cultural life.

More and more often, inflammatory speeches by Hitler, Goebbels and others were broadcast over the radio. Julius Streicher agitated viciously against Jews in the combat magazine „Der Stürmer“ and in 1938 published the book „Der Giftpilz“ (The Poisonous Mushroom) with invective caricatures as a supposed „mood book for young and old“.

After the seizure of power in 1933, propaganda minister Goebbels adapted the film industry to the goals of the Nazi dictatorship. Newsreels now had to serve propaganda and disinformation, but above all, quite a few anti-Semitic films were produced, such as „Jud Süß“ (1940). Radio, publishing and the film industry had an important accompanying function in the political and propagandistic repression and elimination of Jews.

In addition, the National Socialists enacted the Nuremberg Laws or Race Laws in 1935. For this purpose, Friedrich Wilhelm Euler from Bensheim had compiled data on mixed marriages and Jewish mongrels for the Reich Ministry of the Interior from 1933 and statistics on Jewish baptisms and mixed marriages for the police and Gestapo in 1936. With the „Nuremberg Laws“, the National Socialists now also created legal conditions for the intensified persecution, expulsion and extermination of Jewish fellow citizens. The laws met with widespread approval, including the obligation to wear the so-called Jewish star from the fall of 1939 as an outwardly visible sign of exclusion.

 

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Fig. 1: The first Nazi concentration camp in Dachau, today a memorial (source: Dachau 1991, Francisco Santos, via Wikimedia Commons).
Fig. 2: Ernst Hiemer, Der Giftpilz, edited by Julius Streicher, Nuremberg: Verlag Der Stürmer, 1938. (Source: Der Giftpilz cover, Julius Streicher, via Wikipedia Commons)
Fig. 3: „Jud Süß“ movie poster, 1940 (Source: Jud Süss, Shawshots, via alamy.de).
Fig. 4: Nuremberg Laws (source: Nuremberg Laws, public domain, via Wikipedia Commons)
Fig. 5: Scheme for „Aryan Proof“ (Source: Nuremberg Laws, in the public domain, via Wikipedia Commons)