„Post aus Jerusalem“ – Vortrag von Thilo Figaj über Martin Buber in Heppenheim und im Exil.
Ein besonderer Vortrag widmet sich dem Leben und Wirken des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber und lädt zu einer spannenden Spurensuche zwischen Heppenheim, Jerusalem und New York ein. Unter dem Titel „Post aus Jerusalem“ stehen ein bislang unbekannter Brief und wenig beachtete Dokumente im Mittelpunkt, die neue Einblicke in Bubers Exilzeit eröffnen.
Ausgangspunkt ist ein Brief aus dem Jahr 1943, den die Dokumenation Landjudenschaft in Lorsch für ihre Autographensammlung erwerben konnte. Buber bittet von Jerusalem aus einen Bekannten in New York, einen Exilverleger für den Roman „Muckensturm“ seiner Frau Paula zu finden. Paula Buber schrieb unter dem Pseudonym Georg Munk. Der Vortrag beleuchtet nicht nur die Hintergründe dieses Schreibens, sondern ordnet sie auch in Bubers weitreichende Kontakte zu Schriftstellern, Literaturagenten und Verlegern im Exil ein.
Der Roman selbst wird dabei ebenfalls kurz vorgestellt, denn Bubers enge Verbindung zu Heppenheim, wo er bis 1938 lebte, ist von besonderem regionalem Interesse. Nach Erscheinen des Romans meinten einige Bewohner, Figuren aus „Muckensturm“ mit realen Personen aus der Stadt in Verbindung bringen zu können – ein Aspekt, der im Vortrag aufgegriffen wird.
Ein weiteres Highlight ist das originale Dokument selbst: Der Brief bildet einen wichtigen historischen Bezugspunkt. Mit ihm wird Bubers Lebenssituation in Jerusalem thematisiert – insbesondere seine Wohnadresse im damaligen Ostteil der Stadt, aus dem er 1948 im Zuge des israelisch-arabischen Krieges erneut fliehen musste. Dabei gerieten auch persönliche Besitztümer, darunter seine umfangreiche Bibliothek, wieder einmal in Gefahr.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Bubers eigener Darstellung seiner Emigration aus Deutschland, die er immer als „Auswanderung“ bezeichnete. Hierzu werden bislang wenig bekannte Schriftwechsel mit dem Finanzamt Heppenheim vorgestellt, die sich mit seinem Vermögen und seinem Haus befassen. Daraus geht hervor, wie Buber die Nazis erfolgreich über seine wirklichen Absichten täuschte. Spannend ist auch zu erfahren, wie Buber seine 12.000 Bände umfassende Bibliothek und sein wertvolles Mobiliar rettete, und nur ihm Verzichtbares im Heppenheimer Haus beließ, damit es bewohnt wirkte.
Der Vortrag wird durch eine Bilderschau ergänzt und bietet eine facettenreiche Annäherung an eine bedeutende Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts – zwischen Heimat, Exil und Neubeginn.
Dauer: ca. 45 Minuten

22. Mai 2026 um 19 Uhr
Museumszentrum Lorsch, Gewölbekeller (Hintereingang)
Der Eintritt ist frei, um Spenden zugunsten des Heimat- und Kulturvereins Lorsch wird gebeten.