22. Mai 2026, Museumszentrum Lorsch, 19 Uhr
Bildervortrag: „Post aus Jerusalem“ – Thilo Figaj spricht über Martin Buber in Heppenheim und Jerusalem
Der Vortrag widmet sich dem Leben und Wirken des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber und lädt zu einer spannenden Spurensuche zwischen Heppenheim, Jerusalem und New York ein. Unter dem Titel „Post aus Jerusalem“ stehen bislang unbekannte Briefe und Autographen Bubers aus der Sammlung in der Dokumentation Landjudenschaft in Lorsch, sowie wenig beachtete Archivalien im Mittelpunkt.
Nach einer kurzen biografischen Einführung wird zunächst auf die Umstände von Bubers Weggang aus Deutschland im März 1938 eingegangen, und die Frage erörtert, ob es eine Emigration oder doch eher eine Flucht war. Hierzu werden bislang kaum untersuchte Dokumente und Schriftwechsel mit dem Finanzamt Heppenheim vorgestellt, die sich mit Bubers Vermögen im In- und Ausland befassen. Dabei werden die komplexen Hintergründe sichtbar und die Zwangssituation deutlich, die zum Verlust des Heppenheimer Hauses und weiteren Vermögens führten. Spannend ist zu erfahren, wie Buber 12.000 seiner damals 15.000 Bände umfassenden Bibliothek rettete und seine Frau Paula den wertvollen Teil des Mobiliars an den Nazi vorbei nach Jerusalem schaffte.
Den unmittelbaren Anstoß zu diesem Vortrag gab ein Brief aus dem Jahr 1944. Martin Buber bittet von Jerusalem aus einen Bekannten in New York, einen Exilverleger für den Roman „Muckensturm“ seiner Frau Paula zu finden. Der Adressat und die Hintergründe des Schreibens werden untersucht und die Erkenntnisse in Bubers weitreichende Kontakte zu Schriftstellern, Literaturagenten und Verlegern im Exil eingeordnet.
Der Roman selbst wird kurz besprochen, denn Bubers enge Verbindung zu Heppenheim, wo er bis 1938 lebte, ist von regionalem Interesse. Nach Erscheinen des Romans meinten einige Bewohner, Figuren aus „Muckensturm“ mit realen Personen aus der Stadt in Verbindung bringen zu können. Paula und Martin Buber haben das nie bestätigt, es existiert allerdings eine interessante Zusammenfassung Bubers für Thomas Mann von dem Roman seiner Frau.
Anhand der Briefe, Autographen und Erstausgaben aus der Lorscher Dokumentation werden Teile seines Werks, wie z.B. die chassidischen Erzählungen und die Bibelübersetzung vorgestellt, sowie seine Lebenssituation in Jerusalem thematisiert – insbesondere seine Wohnadresse im damaligen Ostteil der Stadt, aus dem die Familie 1947 im Zuge des israelisch-arabischen Krieges erneut fliehen musste. Dabei geriet Bubers großer Bibliotheksschatz erneut in Gefahr.
Der Vortrag bietet eine facettenreiche Annäherung an eine große Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts.
Ort: Museumszentrum Lorsch, Gewölbekeller (Hintereingang). Der Eintritt ist frei, um Spenden zugunsten des Heimat- und Kulturvereins Lorsch wird gebeten. Dauer ca. 45 min.
Bild: Martin Buber an seinem Schreibtisch in Jerusalem, um 1960. (c) GettyImages, Lizenz Thilo Figaj